Einfahren / Aktivieren des Biofilters

Das Problem

Bei dem Biofilter einer Aquaponik stößt man auf das typische Henne-Ei-Problem: Setzt man Fische in ein neues System, existieren dort noch keine Bakterienteppiche auf dem Substrat, die das Wasser von Ammoniak in den Ausscheidungen der Fische reinigen können. Ohne diese Reinigung vergiften sich die Fische nach einer Weile selbst.

Ohne Fische bilden sich aber auch keine Bakterien, da diese im sauberen Wasser keine Nahrung (=Ammoniak) finden.

Die Lösung

Bevor Fische in das System eingesetzt werden, gibt man kontrolliert Ammoniak dazu.

Dazu benötigt man

  • Teststreifen für pH-Wert (Aquarienhandlung),
  • Test für Ammoniakgehalt des Wassers (Aquarienhandlung),
  • Ammoniaklösung (Apotheke) und
  • Essig falls das Wasser zu basisch wird.

Meine Apotheke um die Ecke hat mir Ammoniaklösung nur gegen Adressnennung – in Australien ist es angeblich als Bestandteil von Sprengstoffen verboten – und Unterschrift über Erhalt einer Gefahrenbelehrung verkauft. Früher war so was mal ein Haushaltsreiniger… Trotzdem sollte man besser Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen und das Einatmen vermeiden.

Die Prozedur, die vor drei Tagen begonnen habe, folgt den Anweisungen des Buches „Aquaponic Gardening“ von Sylvia Bernstein (s. Literaturtipps).

Vorgehen (nach Bernstein, 2011)

  • Das System bepflanzen.
  • Ammoniak zugeben bis 2-4 ppm erreicht sind. Die gebrauchte Menge notieren. Bei meinem Tank (ca. 600 l) brauchte ich drei Schnapsgläser 25%iger Ammoniaklösung.
  • Diese Menge gibt man täglich zu, bis mindestens 0,5 ppm Nitrit im Wasser messbar sind. Falls der Ammoniakpegel gegen 8 ppm geht, wartet man so lange mit weiteren Ammoniakgaben, bis er wieder auf 2-4 ppm zurück geht. Da der Anstieg bei mir recht schnell ging, habe ich von Anfang an nur zwei Schnapsgläser Ammoniak pro Tag zugegeben.
  • Sobald Nitrit erscheint, werden die Ammoniakgaben halbiert. Falls der Nitritpegel über 5 ppm geht, mit den Ammoniakgaben aufhören, bis der Pegel auf 2 ppm fällt.
  • Sobald Nitrat 5-10 ppm erreicht, wartet man bis Nitrit- und Ammoniakpegel auf Null sind. Dann kann man Fische einsetzen.
  • Der pH-Wert sollte bei 6,8 bis 7,0 liegen und kann vorsichtig mit Essig (zu hohe Werte) oder Calciumcarbonat (zu niedrige Werte) eingestellt werden – bevor Fische eingesetzt werden.

Was passiert dabei im Biofilter?

Durch die Zugabe von Ammoniak finden Bakterien Nahrung, die Ammoniak in Nitrit umsetzen. Dieses Nitrit dient dann wieder anderen Mikroorganismen als Energiequelle. Bei der Oxidation von Nitrit (NO2) entsteht Nitrat (NO3). Dieser Prozess ist der zweite Schritt in der Nitrifikation von Ammoniak (NH3) zu Nitrat. Das Nitrat dient den Pflanzen als Dünger.

So fing es im März an

Nach ein bisschen Suchen waren im März ein paar IBC (für Nahrungsmittel geeignet) gefunden. Denn Suchen nach Aquaponikvideos auf Youtube hatten ergeben, dass IBCs das ideale Ausgangsmaterial für erste Versuche sind. Flex und Hochdruckreiniger zur Hand und voilà, der erste Rohbau war fertig:

IBC-Aquaponik im Rohbau

IBC-Aquaponik im Rohbau

Dann passierte erst mal nichts – zu viele andere Dinge hatten Vorrang…

Als nächstes folgte ein Holzrahmen aus Dachlatten 58*38mm, die ich mit der Tischkreissäge fälzte (20*18mm).

 

 

 

 

 

 

 

 

Die nächste Herausforderung stellte der Siphon dar. Der Siphon sorgt dafür, dass das Wasser, welches aus dem Fischtank (unten) in das Pflanzbeet (oben) gepumpt wird, ähnlich einer Klospülung bei einem bestimmten Wasserstand komplett wieder in den Fischtank gespült wird.

Es gibt im Internet zahlreiche Videos, die den Bau von Siphons beschreiben. Leider sind sie alle malaysisch, amerikanisch oder australisch und verwenden Kunststoffrohre, die man dort vielleicht in jedem Hardware Store bekommt – aber leider nicht in jedem Baumarkt in Flensburg…

Also hieß es Alternativen finden. Für mich bestanden diese in

  • 25mm Elektroinstallationsrohr mit 90 Grad Bögen
  • 50mm HT-Rohr mit Abschlusskappe für den Glockensiphon
  • zunächst 75mm später 110mm HT-Rohr für das Substratsieb


Hier sieht man das Stehrohr (25mm), den Glockensiphon (50mm) und das Substratsieb. Das 75mm Substratsieb habe ich nach ersten Probeläufen – ohne Substrat – durch ein 110mm Sieb ersetzt. Meine Hände wären sonst nicht klein genug gewesen, um später Wartungsarbeiten am Siphon durchführen zu können.


In den Deckel des IBC habe ich mit einer Standbohrmaschine und einem 25mm Forstnerbohrer ein Loch für das Elektroinstallationsrohr gebohrt.Der geweitete Teil des Rohres (mit der Steckverbindung) kommt nach oben (Richtung Pflanzbeet).

Das Stehrohr wird in diesem Teil des Ablaufs verklebt – besser aber erst, wenn nach ein paar Testläufen ohne Substrat die endgültige Länge des Stehrohres und damit die Endfüllhöhe des Wasserspiegels (ca. 3-5 cm unter Oberkante Substratfüllung) im Beet klar ist.

Der Glockensiphon ist hier noch ohne Abschlusskappe über dem Stehroh zu sehen. Das 50er Rohr passt genau zu den üblichen Verschlüssen eines IBCs. Zumindest nachdem man in den unteren Teil ein paar 8er-10er Löcher gebohrt und diese mit einer Säge aufgeschlitzt hat. Die vollständige Länge dieser Schlitze sollte ca. 20-25mm betragen.

Über das Stehrohr mit Glockensiphon (hier immer noch offen) kommt dann das Substratsieb. Das 75er habe ich, wie gesagt, später gegen ein 110er getauscht.

Die Verbindung des Stehrohrs nach unten ist gerade soweit abgelängt, dass sie durch den Deckel des IBC in den 90° Bogen reinpasst, so dass der 90° Bogen bündig mit dem IBC-Deckel abschließt. Mittels eines kurzen Rohrstücks habe ich einen zweiten Bogen angesetzt, der mit 6mm Bohrungen versehen ist. Durch dies Bohrungen strömt beim Spülvorgang Wasser, das dadurch mit Sauerstoff angereichert wird.

So kam die Aquaponik Mitte Juni in eine ausgeschachtete Grube in unser Gewächshaus. Zu beachten ist, dass ich den Tank nach unten vor den Einbau in die Gitterbox mit Isolierung (Polystyrol) versehen habe.